GUDRUN KÜHNE


Rede zur Ausstellung 'Blaue Stunde', Januar 2014

Michael Augustinski

Sehr geehrte Damen und Herren, Freundinnen und Freunde der Kunst,

Die "Blaue Stunde" ist ein poetischer Begriff für die Zeit der Dämmerung zwischen Sonnenuntergang und nächtlicher Dunkelheit. Die Natur zeigt ihre Geheimnisse, wenn man sie sehen will. Der Künstlerseele eine gute Stunde, der Empfindung und Eingebung.

Gottfried Benn schrieb in "Blaue Stunde":
Ich trete in die dunkelblaue Stunde
da ist der Flur, die Kette schließt sich zu
und nun im Raum ein Rot auf einem Munde
und eine Schale später Rosen – Du!

Über eine Ausstellung zu sprechen, auch wenn es meine langjährige Kollegin Gudrun Kühne ist, ist wohl immer eine Sache von "Glücklichen Missverständnissen" Gudrun Kühne stellte sich wohl nie die Frage – Warum mache ich das? – sondern es ist, nach Rilke "Immer das Machen müssen – Nicht zählen und Messen". Kunst muss wie das Leben reifen.

Nach dem Studium war es bevorzugt Ölmalerei, Porträts. Das Arbeiten vor Ort, die Inspiration vor der Natur ist eine Hauptschaffenskraft von Gudrun Kühne. In Ihrer weiteren Entwicklung arbeitete sie mit verschiedenen Materialien auf Papier, schwarzweiß und farbig.

Die Aktzeichnungen und die Landschaft sind Schwerpunkte ihrer künstlerischen Themen. Sich mit dieser Empfindsamkeit der Abstraktion der Natur bewusst, arbeitet sie in der Zeichnung mit gestischen, im Rhythmus aufeinander treffenden Linien, stürzenden Diagonalen, mit Hell-Dunkel-Kontrasten, so dass offene und geschlossene Räume, Figuren und Landschaften entstehen. Die Ausstellung zeigt sowohl die bevorzugte mediterrane Landschaft, als auch Arbeiten die 2012 in der Schweiz entstanden sind.

Die Farbe in den Zeichnungen und Bildern erklärt sich mit der räumlichen Wirkung, aber auch dem Flächigen, oftmals mit dem breiten Pinsel aufgetragen. Unter sich gegensätzlich aufbauenden Kontrasten, wie Gelb-Blau, Rot-Grün und Schwarz als Kontrast steigernde Farbe; entsteht die Bildstruktur. Ein musikalischer Klang, verführerisch und verfremdend zugleich.

Ihre Grafiken sind in der altmeisterlichen Technik der Aquatinta-Radierung und eigenhändig in limitierter Auflage gedruckt, entstanden. Die natürliche Grazie in der Anwendung der Mittel, verleiht den Grafiken eine zeitlose Schönheit.

Durch die thematische Beschäftigung mit dem Menschen, findet Gudrun Kühne in der Plastik eine weitere Möglichkeit des Ausdrucks. Sandstein und Bronze sind bevorzugte Materialien. Leider können wir in dieser Ausstellung diese Arbeiten letzterer Zeit nicht zeigen. Die Plastiken sind aber im April in der Kirche in Müncheberg zu sehen.

Kunst ist das Leben in einer Form entäußert. Die Natur offenbart sich dabei stärker in ihrem Geheimnis. Diese Suche von Gudrun Kühne, dieses Daran-weiter-Arbeiten, entspringt wohl einer Auffassungsart, einer Notwendigkeit ihres Wesens. Ich freue mich über diese schöne Ausstellung, auch an einem so schönen Ort und möchte sie hiermit eröffnen!

Michael Augustinski,
im Januar 2014